20
Zweites Kapitel. Unverhofftes Zuſammentreffen.
„Da bin ich,“ ſage ich, bei Herrn Dermilly ein⸗ tretend;„ich habe das Hotel auf immer geräumt und will jetzt bei Ihnen bleiben, wenn Sie es er⸗ lauben.“
„Wenn ich's erlaube, welche Rede!“ antwortet Herr Dermilly und ſchließt mich in ſeine Arme. „Deine Nähe, Andreas, ſoll meine Langeweile ver⸗ ſcheuchen und meine Schmerzen ſtillen. Es dauert nicht mehr lange, ſo wirſt Du mir die Augen zu⸗ drücken.“
Ich ſuche ihm die finſtern Gedanken auszureden, indem ich ihm die Ereigniſſe im Hotel und die Ur⸗ ſache meines plötzlichen Auszuges weitläufig erzähle.
„Du haſt recht daran gethan,“ ſagt er,„der Groll hätte Dich am Ende vergeſſen machen, daß Du in Carolinens Hauſe biſt; Gott weiß, welch Unheil daraus hätte entſtehen können! Aber es iſt Deine Pflicht, Andreas, die Gräfin nach wie vor zu beſuchen, wenn auch ſo, daß Du jede Berührung mit Leuten meideſt, die Dir nicht wohlwollen. Geh' recht oft zu Bernhard und Naneite. Mein Haus ſteht ihnen jeder Zeit offen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Anſtoß nehmen an dem Beſuch eines ehrlichen Mannes, zu welchem Stande er gehören mag. So denk' ich als Künſtler und würde ſo den⸗ ken, wenn ich Graf wäre.“


