Teil eines Werkes 
3. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

108

Schon höre ich ſie die Treppe herauffliegen. Ge⸗ wiß erkundigt ſie ſich, ob ich heute wieder ſo traurig bin wie geſtern.

Ich weiß nicht recht, wie ich bei ihr die Sache an⸗ bringe; ſie iſt ſo ſelbſtſüchtig, ſo ſtürmiſch in ihrer

Liebe. Ich fürchte, ſie zu erzürnen, und doch muß

ich reden; ſie ſelbſt fordert mich dazu auf.

Du haſt wieder was heut' Abend, ſagt ſie mir, ich ſeh' Dir's an den Augen an. Schon wieder Geheimniſſe vor mir, he? Ich will und muß Alles wiſſen, ſelbſt Deine Treuloſigkeiten, wenn Du undank⸗ bar genug warſt, ſolche zu begehen.

Nein, nein, Lucilie.

So ſprich, Andreas. Ich denke mir allerhand.

Lucilie, ich will fort, aber komme bald wieder.

Du willſt fort, mein Gott, um eilf Uhr Nachts? Mein Herrchen, das geht nicht, oder ich ſag's Ma⸗ dame.

Sie verſtehen mich nicht, Lucilie. Herr Der⸗ milly will mich mitnehmen in die Schweiz, wohin er reist auf den Rath ſeines Arztes; ich begleite ihn, und ſchon übermorgen reiſen wir ab.

Abreiſen?. in die Schweiz?.. übermorgen? Und das ſagt er mir ſo, als.. Andreas, wenn Du fortgehſt, tödt' ich mich aus Herzeleid!

Sie wirft ſich in einen Stuhl, macht die Augen zu, ſtreckt die Hände aus und knirſcht mit den Zäh⸗ nen. Mein Gott, ich glaube, ſie kriegt Krämpfe... ja, ja, ſie wird unwohl. Geſchwind laufe ich in ihre Kammer, hole Orangenblüthenwaſſer, Zucker, Eſſig,