Teil eines Werkes 
3. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

„Was Du ſagſt! Den kleinen Ausbund möcht' ich ſehen!“

Das ſagt ſie in einem Tone, daß man glauben ſollte, ſie ärgere ſich über das Lob, das ich meiner Schweſter gebe, und doch weiß ich, ſie würde ſie ebenſo gern haben, wenn ſie ſie kennte, wie ich ſie kenne. In einem Nu bin ich bei Vater Bernhard. Nanette iſt allein; um ſo beſſer! ich bin ſo linkiſch beim Schenken. Weiß Gott, was Nanette ſeit eini⸗ ger Zeit hat. Je größer ſie wird, um ſo mehr

nimmt ihre Heiterkeit ab. Auch iſt ſie lange nicht

mehr ſo vertraulich mit mir; oft vergißt ſie gar, mich zu dutzen und nennt mich Herr Andreas. Wenn ich ſie darüber zanke und ihr die Veränderung in ihrem Weſen und Benehmen vorhalte, ſo wird ſie roth, ſieht mich zärtlich an und betheuert, ſie wiſſe ſelbſt nicht, warum es ſo ſei, aber ſie liebe mich nach wie vor gleich ſehr, und ich bin feſt über⸗ zeugt, ſie ſagt die Wahrheit.

Mein Geſchenk macht Nanette die größte Freude. Sie hängt die Uhr um den Hals und ruft:

„Da ſoll ſie immer bleiben.“

Plötzlich wird ſie traurig und ſeufzt: bieten kann.“

„Naneite, hab ich nicht Deine Freundſchaft? Die iſt mehr werth als alle Uhren in der Welt.“

Vater Bernhard kommt; er iſt vor Staunen außer ſich über das glänzende Geſchmeide. Dann nimmt er eine ernſte Miene an und ſagt:

——

— 3

———————————————————