39
nur der guten Mutter eine gleich große Summe ſchicken, wie die, welche ich an Roſſignol gegeben habe, ſondern außerdem noch der Schweſter ein Ge⸗ ſchenk machen. Aber dießmal will ich Lucilie zu
Rathe ziehen und ſie bitten, für mich den Einkauf
zu beſorgen.
Ueber dieſen Beweis meines Zutrauens zu ihr freut ſich das junge Mädchen nicht wenig. Sie kauft mir eine niedliche Damenuhr, die lange nicht ſo viel koſtet, als ich glaubte. Beim Anblick dieſes Ge⸗ ſchenkes ſpringe ich hoch auf vor Freude. O⸗ wie Nanette ſich freuen wird! So vft ich von meiner Schweſter rede, ſieht mich Lucilie aufmerkſam an.
„Du haſt ſie gern, die kleine Nanette?“ fragt ſie.
„Und wie! Vir ſind wie Bruder und Schweſter.“
„Wie alt iſt ſie?“
„Eben ſo alt als ich: bald dreizehn Jahre.“
„Iſt ſie hübſch?“
„Alle finden es, Mamſell Lucilie.“
„Und Du auch, Andreas?“
„Ich weiß nur, daß ſie gut iſt und mich lieb hat. Ich weiß nicht, ob ſie hübſch iſt. Aber kann der häßlich ſein, der von Herzen ſo gut iſt?“
„Meinſt Du, Andreas? Ich möchte ſie gern ein⸗ mal ſehen. Warum kommt ſie nie in's Hotel?“
„Sie wagt es nicht; auch Vater Bernhard nicht. Sie haben lieber, daß ich zu ihnen komme.“
„Und was thut ſie zu Hauſe, Deine Nanette?“
„Sie näht und ſorgt für Haus und Küche. Das macht ſie ſchon ganz gut.“—


