den Augenblick herannahen, wo er wieder acht Stun⸗ den lang für hundert Sous Modell ſitzen muß, was ihm ungleich weniger behagt als Walzer und Ga⸗ loppaden. Wer drei Wochen lang nur dem Ver⸗ gnügen gelebt, der denft mit Schrecken an die Ar⸗ beit, zumal wer von Natur ſo faul iſt wie Herr Roſſig⸗ nol. Er trägt den beſſern Rock wieder in ſichern Ge⸗ wahrſam und ſpielt dafür eine ganze Woche länger den Großen. Aber dieß Geld iſt abſolut ſein letztes, und ſeit er ſeiner Frau das Möbel genommen, das ſie bisher den raubgierigen Fingern ihres Gemahls glücklich entzogen hat, bleibt Madame Roſſignol Nichts, was auch nur ein Paar Sous werth iſt. So muß er denn wieder den Römer oder Grie⸗ chen machen, er mag wollen oder nicht. Aber das Andenken an die verſchwundenen luſtigen Tage läßt unſerm Modell keine Ruhe. Alle Maler beſchweren ſich über die zitternde Bewegung ſeiner Kniee, was er damit entſchuldigt, daß das Andenken an die pa⸗ radieſiſchen Genüſſe der letzten Wochen ihm nicht zu Herzen gegangen, ſondern in die Beine gefahren ſei. An einem ſchönen Morgen, während er den An⸗ tonius macht, ſteigt ihm plötzlich der Gedanke an mich und meine Gutmüthigkeit in den Kopf. Meine Unerfahrenheit auszubeuten, ſcheint ihm das beſte Mittel, zu Geld zu kommen, und er wundert ſich, daß ihm der Gedanke erſt ſo ſpät einfällt. Kaum iſt die Sitzung aus, ſo faßt er vor Herrn Der⸗ milly's Thüre Poſto. Er wattet einen Tag nach dem andern; gber vergebens.
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