20
Den Tag nach dieſer Begebenheit ſitz' ich ruhig
auf meinem Zimmer und arbeite, als Mamſell Lu⸗ cilie leiſe hereinſchleicht, neugierig um ſich blickt, als ſuche ſie etwas, und mit geheimnißvoller Miene ſagt: „Lieber Andreas, Du mußt mir einen großen Gefallen thun.“
„Von Herzen gern, Mamſell. Reden Sie.“
„Ich kenne Deine Gefälligkeit. Es gibt Fälle, wo ein Freund des andern Freundes bedarf..
„Geſchwind, geſchwind!“
„Ich weiß, Du haſt Dir viel Geld erſpart, um Deiner guten Freundin Nanette ein Geſchenk zu machen. Du wirſt nicht alles Geld ausgegeben ha⸗ ben für die— Clyſtirſpritze.“
Und ſie fängt eben ſo unbändig zu lachen an wie geſtern, während ich über und über roth und ver⸗ legen werde.
„Wozu das, Mamſell?“ ſtottere ich⸗
„Ich möchte etwas recht Hübſches kaufen,“ ant⸗ wortet ſie, mich ſcharf anſehend.„Mir fehlen noch zwanzig Franken. Willſt Du mir die leihen, An⸗ vreas? bloß auf vierzehn Tage.“
„Wie gerne wollte ich, Mamſell; aber....
„Nun? Aber.. ſprich doch.“
„Aber ich kann nicht.“
„Alſo Mißtrauen, mein Herr? Pfui, ſo miß⸗ trauiſch zu ſein!“
„O gewiß nicht. All' mein Geld(n Sie ha⸗ ben, wenn ich welches hätte.“


