und treten in eine geſchmackvoll möblirte Kammer, die von nun an mir gehört. Da bin ich fern von allen Bedienten, bloß Mamſell Luciliens Kammer iſt in der Nähe, der meinigen gegenüber. Ich kann alſo ungeſtört arbeiten und ſchnell zur Frau Gräfin hinuntereilen, wenn ſie mich rufen läßt. Mamſell Lucilie verſpricht meiner Beſchützerin, angelegentlichſt für mich zu ſorgen. Das junge Kammermädchen thut Alles, was ſie nur den Augen der Gräfin ab⸗ ſehen kann. Ich werde nicht mit den Dienſtboten eſſen, Mamſell Lucilie bringt mir das Mittagsbrod auf mein Zimmer. Es iſt ein liebes, gutes Mädchen, die Lucilie. Sie gibt der gnädigen Frau das beſte Zeugniß von mir, und ſagt, es wäre Schade gewe⸗ ſen, wenn ich Schornſteinfeger geblieben wäre. Ma⸗ dame ſieht ſie lächelnd an und gibt ihr einen zärt⸗ lichen Patſch. Dann geht ſie fort. In der Thüre ruft ſie mir noch zu:
„Von morgen an bekömmſt Du regelmäßig Un⸗ terricht, Andreas. Lerne fleißig, das iſt der beſte Dank.“
Als ich allein bin, muſtere ich der Reihe nach die Möbel im Zimmer. O, wie ſo hübſch Alles eingerichtet iſt. In den Schubladen der Commode finde ich ſchneeweiße Wäſche und Kleider, eigends für mich gemacht; ich probire ſie alle an, ein Stück nach dem andern. Auf einem kleineh Sekretär liegt eine hübſche ſeidene Börſe mit Geld und davor ein beſchriebenes Papier. Wenn ich doch leſen könnte!
Das Geld rühr' ich nicht an, denn ich weiß nicht,


