114
„Was gedenken Sie mit dem Kinde anzufangen?“ fragt die Dame Herrn Dermilly.
„Ich will ihn behalten, für ihn ſorgen, ihn un⸗ terrichten laſſen und in meine Geheimniſſe einweihen⸗ wenn er Luſt zeigt und Talent zur Malerei. Ich bedarf um ſo mehr eines treuen, erheiternden Ge⸗ fährten, da ich ledig zu bleiben gedenke. Mit ihm kann ich von Ihnen reden, denn er kennt Sie und wird Sie recht lieb gewinnen. Wenn er gleich meinen Schmerz nicht begreift, kann er ihn doch verſüßen.“
„Erlauben Sie mir einige Einwendungen dagegen, mein Freund. Ich fürchte, er wird in Ihrem Haus⸗ weſen Manches vermiſſen. Sie ſind und bleiben le⸗ dig, haben den größten Theil des Tages vollauf zu thun und machen häufige Reiſen. Andreas iſt noch zu jung, Sie begleiten zu können, oder nehmen Sie ihn mit, ſo hat er keine Zeit zum Lernen. Bleibt er aber bei der alten Thereſe allein zurück, ſo wird er ſich höchſt verlaſſen fühlen. Außerdem bevarf ein Kind tauſend kleiner Aufmerkſamkeiten, die wir bei einem ledigen Manne nie finden können. Aus allen dieſen Gründen möchte ich Sie bitten, ven kleinen Andreas mir zu überlaſſen. Er ſoll bei mir wohnen, in meimem Hotel, von Adolphinens Lehrern Unter⸗ richt haben, und von mir wie von ſeiner rechten Mutter behandelt werden. Mein Haus ſteht Ihnen zu jeder Stunde offen. Was meinen Sie dazu, Herr Dermilly. Und liegt es nicht mir zunächſt ob, für
die Zukunft dieſes Knaben zu ſorgen? Hab' ich nicht


