17
freuen, verſetzt ſie vielmehr in Furcht, ſie möchte im Hauſe ihres Oheims linkiſch und ſchlecht am FPlatze ſein; auch verbirgt ſie das ihrem Vetter nicht.
„Wenn man ſo hübſch iſt wie Sie, mein Bäs⸗ chen,“ ſagt Friedrich,„ſo iſt man überall an ſeinem Platz. Ich werde Sie nun näher mit dem Hauſe bekannt machen. Mein Oheim iſt, was den Geiſt betrifft, kein Adler, wird jedoch durchaus befriedigt ſein, wenn Sie gegen ihn eine achtungsvolle, gehor⸗ ſame Miene annehmen. Meine Tänte iſt ungefähr von dem gleichen Schlag; nur müſſen Sie ihr, da ſie ein Weib iſt, bisweilen einige Complimente über ihren Putz und ihre Haltung machen; dann dürfen Sie ihrer Zuneigung gewiß ſein. Ah! es iſt auch ihr Sohn Julian da, mein Bäschen, Ihr Vetter wie ich: dieſer ſpricht wenig, langweilt ſich daheim und iſt daher ſo wenig als möglich zu Hauſe. Uebrigens iſt er, glaube ich, ein ſehr ſanftmüthiger Junge, der, deſſen bin ich gewiß, entzückt ſein wird, bei einem ſo reizenden Bäschen zu wohnen. Hoffentlich werden Sie vor ihm keine Angſt haben.“
„O nein, mein Vetter, wenn er Ihnen gleicht, ſo freue ich mich auf ſeine Bekanntſchaft,“ antwortet Roſa lächelnd.
„Das iſt ſehr ſchmeichelhaft für mich, liebes Bäs⸗ chen! Ich flöße Ihnen alſo keine Furcht ein?“ Nein, mein Vetter, ich ſtehe bereits mit Ihnen auf einem Fuße, als ob ich Sie längſt kennte kurz, mir ſcheint. warten Sie mir ſcheint: Sie ſeien wie mein Bruder.“


