56 „und dieſe Venus.. ſehen Sie doch⸗ Richard!“ Richard ſteht auf und prüft mit dem jungen St. Govibert alle Bilder im Atelier. Derneſiy und Friedrich dehnen ſich rauchend auf dem Divan.
Bei dem grünen Vorhang angelangt, ruft Richard aus:„Was iſt denn dahinter?“
„Ein unvollendeter Entwurf, ſo viel mir der Ma⸗ ler ſagte.“
„Gut! Aber warum hat er ihn denn ſo ſorg⸗ fältig verborgen?“
„Künſtlereitelkeit! Er will das nicht ſehen laſſen, bevor es vollendet iſt.“
„Hm!... das ſcheint mir ſeltſam.“
„Ich,“ verſetzte der junge Julian, vich denke mir, dahinter ſteckt ein Gemälde... etwas ſehr Kühnes... von der Art, die er nicht allen Blicken ausſetzen will, um keuſche Augen nicht zu verletzen; er hat
den Vorhang unten ſogar mit Bändern angeknüpft,
damit ihn ja der Wind nicht lüfte.“
„Jedenfalls,“ ſagte Friedrich aufſtebend,„muß etwas Intereſſantes dahinterſtecken. Dieſer Vorhang da hat Gleichartigkeit mit einem Behältniß Blau⸗ barts.“
„Donnerwetter! wir wollen doch ſehen, was daran iſt!“ rief Richard, indem er den Knoten zu löſen begann.
„Sei's drum, meine Herren, thut, was ihr wollt,“ ſagte Derneſty,„mir iſi's einerlei... aber wenn der Maler ſich darob ärgert?“
„Man ſcheert ſich auch um den Maler nichts,“


