47
theurer Herr Leopold, Sie laſſen nicht einmal den Schlüſſel in der Thüre ihres Ateliers, damit man, ohne Sie zu ſtören, eintreten könne? Schon dachte ich, Sie ſeien nicht zu Hauſe oder haben ein Modell bei ſich, das Sie nicht ſehen laſſen wollen; man behauptet, die Herren Maler haben bisweilen ſo hübſche Modelle, daß ſie ſolche den Augen ihrer Kunſtgenoſſen möglichſt zu entziehen ſuchen.“
So ſprechend hat ſich Herr Derneſty auf einen Divan geworfen, wo er es ſich auf gut türkiſch be⸗ quem macht.
„Sie ſehen, daß ich mit keinem Modell allein war,“ ſagte Leopold niederſitzend,„aber ich las und wenn ich an einer intereſſanten Lektüre bin, ſo mag ich es nicht gern leiden, daß man hier ohne meinen beſondern Willen eintrete.“
„Alſo habe ich Sie geſtört?“
„Nein; ich hätte ſonſt nicht geöffnet.“
„Sie haben hier ſehr hübſche Sachen.“
Derneſiy zieht ſeine Lorgnette heraus und muftert das Atelier. Als er den gutre bemerkt, ruft er aus:„Was iſt denn hinter dieſem Vorhang verborgen?“
»Ol nichts Intereſſantes,“ antwortet Leopold mit gleichgültiger Miene.„Ein leichter, noch nicht einmal vollendeter Umriß... ich mag es nicht ſehen laſſen, bis ich meine Idee ganz ausgeführt habe.“
„Ah ſol mein theurer Maler, ich muß Ihnen den Beweggrund, der mich zu Ihnen führt, mit theilen; erſtens das Vergnügen, Sie zu ſehen, das


