36
S
FP E Zweites Kapitel.
In einem jener hübſchen Häuſer, welche man in neueſter Zeit in der Straße Notre⸗Dame de Lorette gebaut hat, befindet ſich im oberſten Stock, der nicht ſehr hoch iſt, ein ſehr ſchönes Maleratelier. Dieſes Atelier, das geräumig genug iſt, um Landſchaften von bedeutender Größe zu faſſen, iſt mit jenem Ge⸗ ſchmack und jener Originalität verziert, welche die Künſtler und beſonders die Maler in Alles zu bringen wiſſen. Es iſt indeſſen gänzlich ohne Pracht und kündigt keineswegs den Mann an, deſſen Pinſelſtriche mit Gold bezahlt werden; dagegen ſieht man zahlreiche Studien, Skizzen⸗ flüchtige Entwürfe und in alle dem Talent, Glut und Erfindung.
Hier arbeitet Leopold Bercourt, der junge Mann, den wir im Wald von Fontainebleau geſehen, wo er, während er ſtets maleriſche Gegenden abzeichnete, auch Roſa⸗Maria's Bildniß machte. Aber bei ihrer letzten Sitzung hatte der junge Künſtler ſeinem hüb⸗ ſchen Modell geſagt, daß kein Monat verfließen werde, ohne daß er in das Dorf Avon komme, um ſie daſelbſt wiederzuſehen und mit ihrem Vater Be⸗ kanntſchaft zu machen. Indeß waren ſchon zwei Mo⸗ nate nach dieſer Unterredung verfloſſen, ſeit das junge Mädchen ihr Dorf verlaſſen hatte und Der den ſie ſtets wiederzuſehen hoffte, war nicht wieder gekommen, wie er verſprochen hatte. Hatte Leopold wie die meiſten jungen Leute ſein


