29
„Indeſſen, Madame...
„Ich ſage Ihnen, daß ich es nicht leide.“
Während dieß Geſpräch in dieſer Loge vorfiel, hat ſich Friedrich hinter Madame Marmodin geſtellt, welche mit ihrem Gemahl auf der erſten Galerie ſitzt. Der Gelehrte macht ſeine Frau auf eine ſehr elegante Dame mit einem äußerſt geſchmackvollen Armband aufmerkſam und ſagt zu ihr:„Ich wette, daß Du nicht erräthſt, ob das eine Pſellion oder ein Brachioniſtes, ein Aydone oder ein Dextrocherium iſt?“
Das muthwillige Fränzchen wendet lachend den Kopf, indem ſie Friedrich ſehr weiße und ſchön ge⸗ reihte Zähne zeigt, ohne auch nur an eine Antwort für ihren Gemahl zu denken. Aber zu dem großen jungen Mann ſagte ſie:„Sie kommen, das Stück Ihres Oheims zu ſehen? Das iſt ſehr ſchön.“
„Ach, ich wünſchte, es hätte zwölf Akte und dau⸗ erte zehn Stunden!“
„Ei, wirklich? Sie lieben alſo das Schauſpiel ſehr?“
„Ja, wenn ich in Ihrer Nähe bin.⸗
„So reden Sie doch nicht ſo viel mit mir... Hampelmann würde ſich erboſen! Schon macht er gräuliche Augen, weil Sie da ſind.“
„Was iſt denn das: Hampelmann?“
„Wie, Sie errathen nicht.„
Damit wirft das ſchelmiſche Fränzchen einen Sei⸗ tenblick auf ihren Mann. Friedrich bricht jetzt in ein Lachen aus, das er in ſeinem Schnupftuch zu
erſticken ſucht.


