123
Bichat, ſag' zum Fleiſcher neben, er ſoll ein Bischen auf unſern Laden Acht geben.“
Die Töpferin iſt hocherfreut, daß der Hausherr der hübſchen Unbekannten ſein Zimmer leihen will. Vater Savenay gibt ihr den Schlüſſel, ſie hüpft leicht die fünf Treppen hinauf, indeß ihr Mann und der wackere Hausherr, der trotz ſeiner ſechszig Jahre noch ſtark und kräftig iſt, den Lehnſtuhl nehmen, auf dem Roſa⸗Maria liegt, und ihn langſam in das oberſte Stockwerk des Hauſes tragen.
Achtes Kapitel. Die Jungfrau bei'dem Greiſen.
In kurzer Zeit befand ſich Roſa⸗Maria in einem kleinen, ſehr beſcheiden möblirten, aber reinlichen und geordneten Zimmerchen. Frau Bichat hatte einer Nachbarin gerufen und man hatte die beiden Männer fortgeſchickt, um das junge Mädchen zu Bett zu legen, welches Alles mit ſich geſchehen ließ, ohne die Kraft zu haben, ein Wort auszuſprechen.
„Sie hat ein Fieber wie ein Roß,“ ſagt die Tö⸗ pferin, dem Vater Savenay rufend, der mit Bichat im Nebenzimmer wartete;„ſie hat ſich tragen, zu Bette legen und Alles mit ſich anfangen laſſen, ohne ein Wort zu ſagen; man könnte faſt meinen, ſie ſei beſinnungslos.“
Der Vater Savenay kehrt zu Roſa⸗Maria zurück: er verordnet einen Thee, den Frau Bichat ſich hereit


