Teil eines Werkes 
3. Th. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

103

Tage von dem Café zu den feuchten Füßen und ſeinen Stammgäſten entfernte.

Der neue Aufſeher der Gaſſenkehrer reichte der Jungfrau, während er ſie unterſtützte, den Arm mit einer gewiſſen Achtung. Dieſer Mann war ſtolz darauf, der Beſchützer eines ſo hübſchen Mädchens geworden zu ſein, und das Zutrauen deſſelben ſchmei⸗ chelte ihm; trotz ſeines ſchofeln Anzugs, obgleich er weder Strümpfe noch Nastuch trug, wäre ihm doch kein Augenblick der Gedanke gekommen, das arme Kind zu mißbrauchen.

Aber während Roſa⸗Maria mit ihrem Beſchützer vorwärts ging, ſchien ſie zu zittern, ihre Zähne klap⸗ perten, Schauer durchrieſelten ihre Glieder und es war ihr bisweilen, als ob ſie ihre Kräfte verlaſſen wollten. Und doch war es erſt um das Ende Sep⸗ tembers und das Wetter noch nicht kalt.

„Stützen Sie ſich auf mich,“ ſagte der Koſaken⸗ kopf zu der Jungfrau;„ich meine, Sie frieren⸗ Sie ſchaudern.“

„Ich habe in der That ſehr kalt, mein Herr, ohne zu wiſſen warum.“

„O, ich weiß es wohl: weil Sie unter freiem Himmel, auf der Straße, auf einer ſteinernen Bank geſchlafen haben... das iſt ſehr ungeſund, beſonders wenn man nicht daran gewöhnt iſt, und man ſieht es Ihrem Weſen wohl an, daß Ihnen das etwas Neues iſt.“

„O freilich, mein Herr! bei meinem Vater hatte ich es ſo gut in meinem kleinen Stübchen.“