²⁸
Römern und Römerinnen ſpricht... Glauben Sie viel⸗ leicht, das unterhalte mich?“
„Das iſt ein Gelehrter, meine Theure, man ſagt, er werde demnächſt Mitglied des Inſtituts.“
„Wenn er es iſt, dann willige ich darein, ihn neben mich zu ſetzen, vorher aber nicht. Ach, warten Sie, ſetzen Sie Herrn Roquet neben mich; dieſer iſt ſehr liebenswürdig und galant gegen die Damen.“
„Unmöglich, Angelika! Roquet iſt zwar in Ge⸗ ſellſchaft ein ſehr angenehmer Mann, wir machen aber keine Umſtände mit ihm. Die Ehrenplätze müſſen Perſonen zugetheilt werden, die Einem von Nutzen ſein können. Derneſiy ſoll meinetwegen zu Deiner Linken ſitzen, aber Deinen Nachbar zur Rech⸗ ten müſſen wir mit großer Vorſicht wählen. Ah! da wäre Herr Candrillon.. ein Capitaliſt, der die Ab⸗ ſicht hat, ſich von ſeinem Haus in ſeinem Departe⸗ ment eine eigene Eiſenbahn bis Paris bauen zu laſſen; der Mann iſt unmenſchlich reich; einem ſol⸗ chen Gaſte iſt man Aufmerkſamkeit ſchuldig.“
„Möglich, aber ich will ihn nicht neben mir beim Eſſen; dieſer Mann benimmt ſich ſo ungezwungen und ſpricht ſo laut; ſeine Stimme betäubt Einen ganz.. auch gebraucht er ſo häßliche Ausdrücke.. Ja, Herr Candrillon iſt oft ſehr ungenirt in ſeinen Wor⸗ ten, das gefällt mir nicht.“
„Madame, ein Mann, der für ſich allein eine Eiſenbahn bauen laſſen kann, hat wohl das Recht ungenirt zu ſprechen; das iſt reichen Leuten erlaubt.“ „Kurz, ich will einen andern Nachbgr.“


