96
„In der That, mein Herr, ich bin ſehr müde.“ „So kommen Sie doch und zittern Sie nicht ſ.
Die Damen und Fräulein von Paris ſpeiſen oft bei
den Traiteurs und fürchten ſich gar nicht davor; ſie thun es im Gegentheil ſehr gerne.“
Richard tritt mit Roſa in eine Reſtauration auf dem Boulevard. Es befindet ſich Niemand mehr in den Sälen, deſſenungeachtet verlangt der junge Mann ein eigenes Cabinet, und ein Kellner ſchickt ſich bereits an, ihnen eines anzuweiſen, als Roſa, die einen Blick in den noch beleuchteten Salon geworfen hat, deſſen Glasthüren auf den Vorplatz führen, in denſelben hineingeht und ſagt:„Warum wollen Sie nicht hier zu Nacht eſſen, mein Herr? hier ſind ja ſchon gedeckte Tiſche.“
„Weil es in einem Cabinet angenehmer iſt, Fräu⸗ lein. Kommen Sie nur, zu Zwei iſt es nicht gebräuch⸗ lich, ſich in einen Salon zu ſetzen... und außerdem werden hier jetzt die Lampen abgelöſcht. Nicht wahr, Kellner?“
Der Kellner zögert mit der Antwort, denn die beſcheidene, ängſtliche Miene der Jungfrau verleiht ihren Zügen in dieſem Augenblick einen Ausdruck, dem ſchwer zu widerſtehen iſt; und außerdem iſt der ſie begleitende Herr ſo häßlich, daß der Kellner, der natürlich an ſolche Zuſammenkünfte gewöhnt iſt, gleich bemerkt, daß hier keine Uebereinſtimmung herrſcht.
Aber Roſa⸗Maria hat im Saale Platz genommen und ſagt in einem ſehr entſchiedenen Tone zu ihrem
—


