56
ſelten unparteiiſch über ſich. Frau St. Godibert, welche ſich für eine ſehr ſchöne Frau hält, mißt die Jungfrau von Kopf bis zu Fuße und brüſtet ſich mit einer Miene, welche ſagen ſollte:„Das iſt kein Ver⸗ gleich zu mir!“.
Es beſtand auch in der That nicht die mindeſte Aehnlichkeit zwiſchen Beiden.
Die reizende Irma gab zuerſt ihrem Begleiter einen tüchtigen Tritt, um ihm die Luſt zu benehmen, ſich laut über die mitreiſenden Damen zu äußern; dann warf ſie einen ärgerlichen Blick auf das junge Mädchen und zuletzt einen auf Friedrich, und ſo oft der junge Mann nach Roſa⸗Maria hinſah, ſtieß ſie ihn mit dem Ellbogen.
Diejenige, welche dieſe Bewegung veranlaßte und der Gegenſtand der allgemeinen Aufmerkſamkeit war, hatte keine Ahnung davon. Der Aufenthalt an einem ſo engen Orte mit Leuten, welche ihrer Anſicht nach dem vornehmen Stande anzugehören ſchienen, ſchüch⸗ terte ſie ein; ſie wagte es nicht, ihre Blicke zu erhe⸗ ben, ſondern ſaß regungslos auf ihrem Platze und hütete ſich ſo viel als möglich, ihre Nachbarn zu ge⸗ niren, ſo oft auch Julian mit einer honigſüßen Stimme zu ihr ſagte:„Rücken Sie doch näher, Fräu⸗ lein, fürchten Sie ſich nicht.. ich habe noch Platz genug.“
Endlich wendet der alte Herr, als er bemerkt, mit welcher Rückſicht die Jungfrau ſich von ihm ent⸗ fernt zu halten ſucht, den Kopf nach ihr um und murmelt, ohne ein Geſicht zu ſchneiden, zwiſchen den


