30 Auf der andern Bank ſaß Frau St. Godibert,
gegenüber ein ſchön frifirter Herr, der über ſich ſelbſt,
über die Fahrt auf der Eiſenbahn, über die Reiſe⸗ geſellſchaft, kurz, über Alles entzückt ſchien; keine zwei Minuten vergingen, ohne daß dieſer Herr mit ſeinem friſchen Teint und ſeinen rothen Lippen(der jenen Wachspuppen glich, die man ſo prächtig friſirt in den Läden der Haarkünſtler ſieht), ſeine Cravattenzipfel betrachtete und ſeinen Backenbart ſtrich. Er war mit allen möglichen Wohlgerüchen einbalſamirt, es war eine Miſchung von Jasmin⸗, Roſen⸗ und Patchouli⸗ Duft, daß man nicht wußte, welcher der ſtärkſte war, der Einem aber ſo ſtark in die Raſe ſtieg, daß es die Kopfnerven angriff.
Neben dieſem Herrn ſaß ein junges hübſches Frauenzimmer mit einem pikanten, heitern, ſogar lo⸗ ckenden Geſichte, ſchönen dunkelblauen Augen, die ſie ſelten zu Boden ſchlug, roſigen Lippen, ſchnee⸗ weißen Zähnen, einem ſchelmiſchen Lächeln, braunen Haaren, kurz, einem höchſt angenehmen Körper, dem ein mäßiges Embonpoint, das die Formen hob, und eine entzückende Taille noch mehr Reiz verlieh.
Der Anzug dieſes jungen Frauenzimmers war kokett und ganz geeignet, ihre Vorzüge geltend zu machen und deutete eher ein vergnügungsſüchtiges Weib als eine Dame von Stand an. Ihr kleines Hütchen ſaß tief in der Stirne und geſtattete den Anblick ihres boshaften Geſichtchens nur, wenn ſie es gern wollte; aber dieß wat gleichfalls wieder
eine Manier, die Neugierde und das Verlangen zu


