Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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111 mit ſeine Hand frei werde... Dieſer Briefich

hatte ihn diktirt.. ich behielt das Concept.. dort,

in einer Brieftaſche, die er mir gegeben hat.. wei⸗ ter beſitze ich Nichts von ihm... und da habe ich Alles aufbewahrt, was ich gethan, damit er glücklich werde.

Bei dieſen Worten bezeichnete die Kranke eine kleine Lade, die auf einer Kommode ſtand. Edmund, dem es jetzt zum erſten Mal einfiel, daß ſeine Baſe ſich für ſtrafbar erklären Ionnte, um ihm ſeine Frei⸗ heit zurückzugeben, und dem bei dem Gedanken an eine ſolche Hingebung die Thränen in's Auge ſtürzen. Edmund eilt zu der Lade, öffnet ſie, findet darin die Brieftaſche, welche er einſt ſeiner Cvuſine ſchenkte und in derſelben das Concept eines Briefes von der Hand ſeiner Baſe. Er liest;z es iſt der Inhalt des Briefs, den er empfangen und worin man ihm den Beweis anbot, daß Conſtanze ihn nicht mehr liehe,

Edmund erkennt jetzt die ganze Großherzigkeit ſeiner Coufine, welche, nach der Hingabe ihres Ver⸗ mögens, ihm auch das höchſte Gut einer Frau, ihre Ehre, ihren Ruf geopfert hat. Er ſtürzt Conſtanze zu Füßen, er faßt ihre Hand, die er mit Thränen badet, indem er um Verzeihung fleht, daß er ſie habe ſchuldig wähnen können, und ſich verfluchte, eine Jung⸗ frau unglücklich gemacht zu haben, welche ſeiner Liebe ſo vollkommen würvdig war. Aber Conſtanze ver⸗ nimmt ihn nicht: ihr Delirium dauert in gleicher Stärke fort und der Zuſtand, worin er ſie ſieht, ver⸗ mehrt Edmunds Reue und Verzweiflung noch.