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beitet den ganzen Tag und beſucht Niemand als mich, der ſie tauſend kleine Dienſte leiſtete. Aber vorgeſtern wurde ſie plötzlich krank und heute hat ſie ein ſchreckliches Fieber.. das Delirium... Ich weiß ihr aber Nichts einzugeben und möchte ſie doch nicht allein laſſen, während ich einen Arzt hole.“ Edmund folgte der alten Nachbarin auf der Stelle; ſie führte ihn in die Stube der Kranken. Hier war Alles einfach, beſcheiden, aber ſauber und gehäbig. Ohne den Grund zu ahnen, fühlte ſich der junge Mann gerührt, als er dem Bett der jungen Frau nahte; aber wie wurde ihm, da er in der Kranken, die er zu hüten kam, ſeine Couſine erkannte! „Conſtanze!“ rief Edmund aus. „Sie kennen dieſe junge Dame?“ fragte die alte Frau. „Ob ich ſie kenne?... Es iſt meine Cvuſine.„ ſie ſollte meine Gattin werden und war lange Zeit meine beſte Freundin... Conſtanze! arme Conſtanze! Aber ſie hört und kennt mich nicht!... Madame, eilen Sie, holen Sie einen Arzt. Ich meinerſeits gehe nicht wieder von der Stelle, ich verlaſſe meine Couſine nicht mehr, bevor ſie außer Gefahr iſt.“ Die alte Frau geht hinweg. Edmund bleibt allein bei Conſtanze, welche ein heftiges Delirium hat und in ihrem Irrreden oft den Namen Edmund nennt. Dieſer lauſcht aufmerkſam auf die Worte der Kran⸗ ken und vernimmt bald Folgendes:„Er hat mich für ſchuldig gehalten.. mein Gott! er hat geglaubt, ich liebe einen Andern als ihn. aber es geſchah, da⸗
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