Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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Fräulein, morgen ſchlage ich mich mit Herrn Ed⸗ mund!

Aber ſtille!.. kein Wort davon bei Conſtanze!

Ich werde den Mund nicht aufthun, mein Fräu⸗ lein!

In dieſem Augenblick kam Conſtanze wieder her⸗ ein. Da ſie jedoch vermuthete, daß es ſich von Ed⸗ mund handle, hatte ſie ihrer Neugierde nicht wider⸗ ſtehen können und das ganze Geſpräch zwiſchen Pelagie und Herrn Ginguet belauſcht.

Indeß ſtellte ſich die Jungfrau, als wiſſe ſie von Nichts und erheuchelte den ganzen Abend hindurch eine große Gemüthsruhe. Pelagie dagegen konnte ihren Ingrimm und Mißmuth nicht verbergen, und auch Herr Ginguet ſtieß von Zeit zu Zeit ſchwere Seufzer aus, welche darauf hindeuteten, daß er mit der Beſchäftigung des folgenden Tages nicht ſehr zu⸗ frieden ſei.

Als man auseinander ging, drückte Conſtanze auf's Freundlichſte die Hand des jungen Angeſtellten; Die⸗ ſer ſagte ſein Lebewohl wie Einer, der fürchtet, nie wiederzukehren, obgleich Pelagie mit Blicken Alles aufbot, um ſeinen Muth aufrecht zu halten.

Am andern Tage früh Morgens ſchickte ſich Gin⸗ guet an, Edmund in ſeiner Wohnung aufzuſuchen. Er hielt Selbſtgeſpräche in ſeinem Schlafzimmer und ermahnte ſich ſelber zur Tapferkeit; wenn er ſchwach werden wollte, ſo gedachte er Pelagiens und dann flößte ihm die Liebe Muth ein. Ein Gefühl ift faft immer der Verbündete eines andern.