Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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Je weiter der junge Mann ſprach, deſto bewegier wurde Pelagie; kaum konnte ſie ſich halten, dennoch hörte ſie aufmerkſam zu, um kein Wort zu verlieren; aber die Röthe ihrer Wangen, das Feuer ihrer Au⸗ gen, ihr unterdrückter Athem bewieſen die ganze Ent⸗ rüſtung, von der ſie beſeelt war.

Welche Abſcheulichkeit! brach Pelagie aus, als Ginguet mit ſeiner Erzählung fertig war,welche himmelſchreiende Verleumdung!... Alſo nicht zufrie⸗ den, Diejenige, welche Alles für ihn geopfert hat, feige zu verlaſſen, muß er ſie auch noch entehren, noch in den Augen der Welt an den Pranger ſtellen! Conſtanze, meine gute, meine ſanſte Conſtanze, das Vorbild aller Tugenden, deren Herz ſtets nur edle und großmüthige Gefühle hegte... Conſtanze wagt man anzuklagen? Und Sie, mein Herr, Sie konn⸗ ten ſo ſcheußliche Verleumdungen mit kaltem Blute anhören?.. Sie haben meine Freundin nicht ver⸗ theidigt.. den Elenden nicht Lügen geſtraft?

Ginguet zittert am ganzen Leib wie Eſpenlaub, denn in ſolchem Zorn hat er Pelagie noch nie ge⸗ ſehen; er ſtammelte bebend: S Fräulein!. ich konnte nicht.. ich wußte nicht.

Sie konnten Conſtanze, meine theuerſte Freun⸗ din, nicht vertheidigen?.. Sie ſind ein Mann und

laſſen eine Dame beſchimpfen?.. Hören Sie, Herr

Ginguet, ich habe Ihnen nur noch Eines zu ſagen: Sie behaupten, mich zu lieben, Sie begehren mein Mann zu werden...

Ach! das wäre meine höchſte Seligkeit!