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In der Familie Bringueſingue war man weit entfernt, einer ähnlichen Ruhe zu genießen. Clodora beklagte ſich über ihren Gemahl, der böſe Launen gegen ſie hatte; die Schwiegermutter peklagte ſich über den Eidam, der ſich oft geweigert hatte, ihr Contretänze zu ſpielen; der Schwiegervater peklagte ſich gleichfalls über Edmund, der ihn in Geſellſchaf⸗ ten oft hatte Albernheiten ſagen oder machen laſſen, ohne ſelbige in geiſtreiche Züge zu verwandeln.
Edmund war nie in ſeine Frau verliebt geweſen und hegte nach und nach einen Abſcheu vor Herrn und Frau Bringueſingue; um ſich von ſeinem innern Kummer zu zerſtreuen, fiel es ihm ein, Spekulativnen und Geſchäfte zu machen, zwar nicht mehr an der Börſe, aber im Kleinhandel mit Realitäten, indem er kaufte, was ihm wohlfeil ſchien, hoffend, es mit Nutzen wieder anzubringen.
Unglücklicher Weiſe verſtand Edmund nicht mehr von dieſen Geſchäften als von der Börſenſpekulation. Er kaufte um Baares und verkaufte auf Zieler oder Wechſel; er war entzückt, wenn er mit Vortheil ver⸗ kauft hatte, aber beim Verfall wurden die Effekten, welche er erhalten hatte, nicht bezahlt, und der Lehr⸗ ling im Kleinhandel verlor ſein Geld und ſeine Ko⸗ ſten. Dann pflegte er mit ſchlechter Laune heimzu⸗ kommen und ließ ſeine Schwiegermutter parſch ab⸗ fahren, wenn ſie ihn um einen Contretanz bat, oder ſeinen Schwiegervater, der ihn in eine Abendgeſell⸗ ſchaft mitnehenen wollte.
Paul de Kock. LRRII. 7


