„Das iſt etwas Anderes! Wenn Du findeſt, daß Dein Vetter recht hat, Dich nicht mehr zu beſuchen, ſich nicht einmal mehr zu erkundigen, ob Du exiſtirſt, o, dann habe ich Nichts mehr zu ſagen und es wäre unrecht von mir, ihn anzuklagen.“
Und fortan ſchwieg Pelagie. Eine Zeit lang re⸗ dete ſie Nichts mehr von Edmund; aber im Herzens⸗ grund fühlte ſie ihre Ungeduld, ihren Zorn wachſen; denn ſie war überzeugt, daß Conſtanze den Kummer über ihr Verlaſſenſein nur verheimlichte, daß dieſer aber doch der Grund war, warum ſie ſo tiefſinnig, ſo traurig geworden, warum die Roſenfarbe auf ihren ſonſt ſo friſchen, ſo runden Wangen erloſchen, warum ſie ſo blaß, ſo entſetzlich mager ausſahen...
Pelagie, welche durchaus wiſſen wollte, wie es ſich mit Edmund verhielt, hatte mehrere Male heim⸗ lich zu Ginguet geſagt:„Legen Sie ſich doch auf Kundſchaft, was er thut, was aus ihm wird; fragen Sie ihm nach, gehen Sie in ſein Logis und berichten Sie mir, was Sie erfahren.“
Herr Ginguet hatte Fräulein Pelagie gehorcht, aber bis dahin NRichts erkundet, als daß Edmund nicht mehr in ſeinem alten Quartier wohne.
Eines Abends, da die beiden Jungfrauen neben Herrn Pauſe arbeiteten, den ein kleiner Gichtanfall verhindert hatte, in ſein Theater zu gehen, trat Herr Ginguet mit ganz entſtellten Zügen und heraushän⸗ genden Augen ein. So ſichtbar war ſeine Verwir⸗ rung, daß der gute Herr Pauſe, welcher regelmäßig Nichts bemerkte, zuerſt ſagte:„Mein lieber Freund,


