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Die Hauseigenthümerin, von Mitleid gerührt und bereuend, zu einem ſchlechten Spaß allzulange mit⸗
geholfen zu haben, behielt und pflegte den armen
Kranken, der einen Monat zwiſchen Leben und Tod ſchwebte.
Als er im Stande war, das Bett zu verlaſſen, ſo beſuchte ihn eine von Bordeaux kommende Perſon, welche die ganze Geſchichte des Navarreſen erfahren hatte, und ſprach ihm Muth ein.
Da ihn ſeine Frau in der ihr bezeichneten Stadt nicht gefunden hatte und keine Nachricht von ihm er⸗ hielt, ſo war ſie auf den Gedanken gerathen, daß er unterwegs geſtorben ſei.
Die Unglückſelige hatte dieſen Verluſt nicht ver⸗ ſchmerzen können; ſie war geſtorben, und nach einigen Tagen war ihr das der Mutterſorgen entbehrende Kind in's Grab gefolgt.
Wie er dieſes entſetzliche Unglück erfuhr und nun erkannte, daß er Alles, was er geliebt, verloren habe, verfiel der arme Mann in eine düſtere Schwer⸗ muth; er ſchien ſogar den Verſtand verloren zu haben.
Von dieſem Augenblicke an begann er ſeine Ge⸗ wohnheit, ſich täglich in den Eilwagenhof zu begeben. Hier brachte er bisweilen ganze Tage zu in immer⸗ währender Erwartung der Ankunft jener geliebten Weſen, die er nicht mehr ſehen ſollte.
Darauf kehrte er in das Gaſthaus zurück, wo man ihn fortwährend umſonſt bewirthete, um das unglück, das man ihm angerichtet, einigermaßen zu vergüten.


