98
Der LTempelmarkt kommt den Schauſpielern und Schauſpielerinnen, welche hier oft noch ziemlich friſche Koſtüme finden, die ſich länger halten als das Stück, zu dem ſie gekauft werden, ſehr zu Statten. In dem Theater, wo überhaupt Alles Täuſchung iſt, können ſolche Sachen immer noch ſchön ſcheinen..
Aber mehr zum Verwundern iſt, daß es in Pa⸗ ris ſelbſt unter anſtändiger Geſellſchaft, bürgerlichen und wohlhabenden Frauen viele gibt, welche ihre Toilettenbedürfniſſe auf dem Tempelmarkt und ſomit Gegenſtände kaufen, die ſchon von Andern getragen worden ſind.
Eine Dame holt, ehe ſie auf den Ball geht, die Garnirung zu ihrem Kleide, die Blumen in's Haar oder die Atlasſchuhe auf dem Tempelmarkt.
Eine andere kauft ſich einen Hut oder eine Haube, und die Verkäuferin ſagt jedes Mal:„Es iſt ganz neu, man hat es nur einmal getragen.“
Wie ſehr ſich aber auch ſolche Damen bemühen mögen, ihrem Anzuge einen Anſtrich von Eleganz und Neuheit zu geben, ein geübtes Auge täuſcht ſi ch nie; es liegt überdieß in dem Weſen der Perſonen⸗ die ihre Toilette auf dem Tempel holen, Etwas⸗ welches immer den Urſprung des Putzes verräth, mit dem ſie ſich herauszuſtaffiren ſuchen.
Bisweilen gibt der Markt, wo man getragene Kleider kauft, auch Veranlaſſung zu ſehr viin Abenteuern.
Ein Herr bemerkt, während er ein ʒübſces. Frauenzimmer im Theater belorgnettirt, daß daſſelbe


