Teil eines Werkes 
1. Th. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

59

ging, und beſaß nicht einmal einen Anſchein von Waden; trotzdem betete ihn ſeine Gemahlin an, die auf der ganzen Welt ſich nichts Schöneres denken konnte als ihren Gatten.

Weil die Liebe uns blind macht, ſo darf man ſich nicht wundern, daß man die Leute ſchön findet, die man liebt. Madame Bouracand war merkwür⸗ dig blind und ihre Leidenſchaft ging bis zur Eifer⸗ ſucht, und dieſe lächerliche Eiferſucht machte ihren Ge⸗ mahl oft unglücklich.

Es iſt manchmal ein Unglück, von ſeiner Frau angebetet zu werden.

Madame Bouracand war eine große Frau, die früher ſehr ſchön geweſen ſein mußte; ſie hätte eine Kokette ſein, Liebhaber haben und ihren Mann hin⸗ tergehen können, ſo viel iſt gewiß.

Sie zog es vor, ihren Gemahl anzubeten, der ſehr häßlich war und wenig Geiſt hatte. Es gibt ſchöne und geiſtreiche Leute, denen dieſes Glück nie begegnen wird.

Aus der Vereinigung der beiden Eheleute waren zwei Mädchen entſproſſen, welche zum Glück nicht das Ebenbild ihres Vaters waren, was zudem noch beweist, daß man ſeinem Manne ſehr treu ſein und ihm Kinder ſchenken kann, die manchmal Nachbarn over vertrauten Freunden gleich ſehen. Die Ratur iſt entſetzlich bizarr in ihren Launen.

Die kleinen Bouracand hießen: die eine Adele, die andere Eugenie.

Sie waren ganz und gar wie alle kleinen Mäd⸗