33
nach; wenn ſie einige Worte wechſeln, ſo geſchieht es mit ſo geſuchter, gezierter Höflichkeit, daß man ſie für Diplomatie halten könnte, und man weiß doch, wie dieſe Complimente, dieſe banalen Höflich⸗ keiten, die man ſich in der Welt gegenſeitig macht, zu überſetzen ſind.„
So, wenn z. B. eine Dame zur andern ſagt: „Mein Gott, Madame, was Sie für einen köſtlichen Hut haben und wie er Sie zum Entzücken kleidet!“ heißt es ſo viel als:„Sie ſind ſo häßlich, daß man ſich vor Ihnen fürchtet, und ſetzen einen Hut auf, der Ihr Geſicht ſehen läßt, ſtatt es zu verdecken! Sie
ſind ganz lächerlich ſo!“
Oder ferner:„Wie, Madame, Sie waren trank, ſo viel man mir geſagt hat! Aber wahrlich, man ſieht es Ihnen gar nicht an: Sie ſind friſch und roſig, Sie haben eine herrliche Geſichtsfarbe!“ Ueberſetzt:„Sie ſind ſchrecklich verändert, Sie ſehen wenigſtens um zehn Jahre älter aus; was Ihre Geſichtsfarbe betrifft, meine liebe Dame, ſo weiß man, was man von deren Ratürlichkeit zu hal⸗ ten hat! Sie tragen zu viel auf, das ſieht man deutlich.“
Oder ferner auch:„Ich habe das Unglück erfah⸗ ren, Madame, das Ihnen zugeſtoßen iſt: der Ver⸗ luſt Ihres Herrn Oheims... hat mich ſehr ange⸗ griffen! Ein ſo tiebenswürdiger Mann, der ſo viel Verdienſt hatte! Ich bitte Sie, zu glauben, daß ich ſehr vielen Antheil an Ihrem Kummer nahm.“
de Kock. LXIV.*—


