Teil eines Werkes 
1. Th. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Sie hat ihre Augen auf einen alten Militär ge⸗ worfen, der einer Tages in den Laden kam, um ſich Nadeln zu kaufen, denn da die alten Kriegsleute

nicht immer hinreichend bemittelt find, einen Dienſt⸗

boten zu halten, ſehen ſie ſich häufig genöthigt, die Knöpfe an ihren Kleidern ſelbſt anzunähen, und ſie veſorgen dieſes Geſchäft gewöhnlich beſſer als un⸗ ſere Schneider.

Die Krämerin knüpfte die Bekanntſchaft damit

an, daß ſie dem Kriegsmann vorſchlug, ſie wolle ihm den fehlenden Knopf ſelbſt annähen.

Der alte Militär war nicht unempfindlich gegen dieſe Höflichkeit; man warf ihm Liebesblicke zu, die er zwar durchaus nicht erwiederte, aber man be⸗

merkte auch, daß er nicht im Geringſten auf die bei⸗

den im Comptvir ſitzenden Ladenjungfern achtete und war ihm unendlich dankbar dafür; man lud ihn ein, ſich nicht zu geniren und wieder zu kommen, wenn ihm einer ſeiner Knöpfe wegbreche.

Und merkt euch wohl, es war nur von den Rod⸗

knöpfen die Rede; weiter verſtieg ſich die Höflic⸗

keit nicht. Der Kriegsmann kam nach einigen Wochen wie⸗

der, dann nach einigen Tagen abermals, und end⸗

lich ſehr oft.

Die beiden Ladenmädchen flüſterten einander zu⸗ daß die Krämerin wahrſcheinlich die Knöpfe ſo an⸗ nähe, daß ſie bald wieder losgehen müßten.

Damit war die Bekanntſchaft gemacht und die

Wittwe hoffte, daß ſich der Veteran bald erklären