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meine Penſion zu verlieren. War ich denn aber
nicht hundert Mal glücklicher, als ich keinen Heller im Beſitz hatte? Mein Gott, wie konnte ich glau⸗ ben, man brauche nichts als Geld, um vergnügt zu ſein!“
Einige Tage verſtrichen; Bouchenot iſt immer trau⸗ rig und verdrießlich. Er wagt es nicht mehr, zu Cö⸗ linen zurückzukehren, und brennt doch vor Begierde, ſie zu ſehenz oft geht er bis in die Calander⸗Straße, aber vor ſeinem ehemaligen Logis bleibt er ſtehen, wagt nicht hinaufzugehen und kehrt langſam wieder um. Jetzt kümmert er ſich nichts mehr um ſeinen Gang und es liegt ihm auch nichts mehr daran, wie er ſeinen Hut auf hat.
Eines Morgens, als Bouchenot unentſchloſſen, wo er ſich hinwenden will, auf den Boulevards ſpa⸗ zieren geht, ſieht er einen jungen, blaß und leidend ausſehenden Mann auf ſich zukommenz trotz der Ver⸗ änderung, die mit den Zügen deſſelben vorgegangen iſt, erkennt er Heinrich, eilt auf ihn zu und ruft: „Ich täuſche mich nicht: das iſt mein Freund Hein⸗ rich. Mein Gott! wie verändert Du ausſiehſt, biſt Du denn krank geweſen?“
Heinrich blickt in die Höhe und ſcheint, wie er Vouchenot erkennt, ausweichen zu wollen, aber es iſt zu ſpät: Bouchenot ſteht bereits vor ihm. Er be⸗ gnügt ſich daher, etwas gezwungen zu erwiedern: „Ich danke Ihnen, ich danke Ihnen, ich bin nicht krank geweſen.. aber andere Gründe... entſchuldigen Sie, ich habe Eile, ich kann mich nicht aufhalten.“


