13
„Sei doch beruhigt! Glaubſt Du, ich werde bei meiner Ankunft einen Nachttopf verlangen?“
„Dieſe Antwort lautet nicht ſehr befriedigend.“
„Geh', geh'! ich will Dir nur beweiſen, daß ich mich ſehr gut in gebildeter Geſellſchaft zu benehmen weiß. Wenn man Dich hörte, könnte man glauben, ich ſei nie in andern als in ſchlechten Häuſern ge⸗ weſen!“
„Das will ich eben nicht ſagen, aber Du wirſt doch unter uns zugeben, daß Du ſeit einiger Zeit bloß mit Griſetten verkehrſt.“
„Ich konnte, beim Kukuk, wenn ich während einer ganzen Woche nicht mehr als ſechs Sous in der Taſche hatte, nicht oft auf den Balcon des italieni⸗ ſchen Theaters oder des Opernhauſes gehen. Aber ich wiederhole es Dir, Du wirſt zufrieden mit mir ſein. Was treibt man bei dieſer Madame Merlier?“
„Man unterhält ſich, muſicirt, ſpielt Bouillotte oder Ecarté.“
„Ganz gut... Du mußt mir einiges Geld zum Spiel vorſtrecken, denn ich habe keines mehr.“
„Mit Vergnügen. Ich ſage Dir aber, man ſpielt nicht hoch.“
„Nimmt man in der Geſellſchaft Etwas zu ſich?“
„Ja, man ſervirt Mandelmilch und Zuckerwaſſer.“
„Ah, der Teufel! das ſteigt Einem nicht in den Kopf. Doch, einerlei, ich nehme, was man mir gibt.“
„Du mußt Dich ſorgfältig ankleiden.“
„Ja, ja, das heißt, ich bleibe, wie ich bin, weil
ich nichts Anderes habe. Ich wette, ich mache eine
Paul de Kock. LXII. 2


