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„Das iſt recht,“ fügt Prudentia bei,„dann wer⸗ det ihr mir hoffentlich auch das umgekehrte Blatt zeigen, denn die Jungfern in unſerm Laden haben mir geſagt, es ſei ſehr intereſſant und ich ſoll es nur nicht vergeſſen, mir es zeigen zu laſſen, wenn ich einen Spaziergang auf das Land mache.“
Die beiden Herren fangen zu lachen an und Cölina ſtößt ihre Freundin mit dem Ellbogen, während ſie halblaut zu ihr ſagt:„Meine Liebe, Du ſollteſt Dich beſſer in Acht nehmen, daß Du nicht immer Dumm⸗ heiten ſchwatzeſt.“
„Was habe ich denn Unrechtes geſagt?“
„Etwas ſehr Unpaſſendes.“
„Wie! weil ich von dem umgekehrten Blatt ſprach?“
„Freilich.“
„Unſere Jungfern ſprechen ſeit geſtern davon.“
„Sie haben auf Koſten Deiner Dummheit ihren Scherz mit Dir getrieben.“
„Was iſt denn aber Unpaſſendes an...“
„Geh', ſchweig'.. Du wirſt es ſpäter erfahren.“
Man verläßt das Gaſthaus und ſetzt den Weg fort, aber der brennende Sonnenſchein iſt der Geſellſchaft zur Laſt und ſie entſchließt ſich, Puteaux unverzüglich zu verlaſſen und ſich nach St. Ouen zu begeben.
Der Spaziergang iſt ziemlich luſtig, obgleich ſich Timotheus ärgert, daß keine Laube anzutreffen iſt, und auch Fräulein Prudentia's gute Laune abgenom⸗ men hat, weil man ihre Neugierde, das umgekehrte Blatt zu ſehen, lächerlich fand. Nach Verfluß von einer Stunde hatten die jungen Leute aber ihr ſchlech⸗
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