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— Zweites Kapitel. Das Seraphin⸗Theater
Ein ehrwürdiges Theater iſt das, welches, allen Zeiten und allen Umwälzungen Trotz bietend, immer in demſelben Glanze auf derſelben Stelle und unter derſelben Direktion fortbeſteht. 7
Das Seraphin⸗Theater hat dieſe Aufgabe gelöst: während rings um daſſelbe ſich Alles ändert und Alles vergänglich iſt, während zwanzig Direktoren Bankerott gemacht, drei oder vier ein Vermögen er⸗ worben haben, und die beliebteſten Schauſpielhäuſer leer waren, während man die verſchiedenen Genres erneut, vermiſcht, umwandelt, und ungeheure Sum⸗
men zur Herbeiziehung des Publikums ausgegeben hat, berühmte Schauſpieler, Nömaden und talent⸗ volle Künſtlerinnen rar geworden ſind, Schriftſteller Prozeſſe mit Direktoren gehabt, glückliche Unterneh⸗ mer den Dichtern Vorſchriften gemacht haben, und das Publikum deſſenungeachtet, trotz der unbernünf⸗ tigen Größe der Zettel, ſein Geld in der Taſche be⸗ hielt, hat das Seraphin⸗Theater fortgefahren, ſein beſcheidenes Glück zu befördern, und ein beſcheidenes, ſtets wachſendes und gedeihendes Glück iſt mehr werth als ein glänzender Triumphwagen, der plötzlich zu⸗ ſammenfürzt. Ihr werdet mir entgegenhalten, daß der Direktor eines Marionetten⸗Theaters weniger Koſten zu machen habe als ein anderer, ſeine Truppe in jeden ſeiner Wünſche füge, ſeine Schauſpieler nie murren, wenn man ihnen eine ſchlechte Rolle


