90 Und der unerbittliche Tod hatte all' das zerſtörtz er hat das Kind von der geriſſen, die es mit Sorg⸗ falt und Zärtlichkeit umgab, wir ſagen nicht in einem Alter, wo man der Liebkoſungen einer Mutter be⸗ darf, denn wir glauben, daß in jedem Alter, in jeder Lage, in welche das Schickſal uns geworfen, die Liebe einer Mutter immer nothwendig für unſer Glück iſt. Pauline hatte vielleicht mehr als jede Andere nö⸗ thig, auf Jemanden die Glut ihrer Liebe, aus der ihre Seele gebildet war, überzutragen. Es war ihr der Vater geblieben, den ſie liebte und achtete, allein ſie konnte ſich mit ihm nicht jenen ſüßen Träumereien, jenen kindlichen Vertraulichkeiten hingeben, aus denen die Nachſicht ihrer Mutter ein Glück für ſie zu machen wußte. Herr Giraumont war ein kleiner, magerer Mann, dem Körper wie dem Geiſte nach; er liebte ſeine Tochter und war ſtolz auf ihre Schönheit, allein nie hatte er ſie geliebkost; er war zurückhaltend und vielleicht beſorgt, wenn er ſeine Tochter umarme, ſeine Würde zu compromittiren. Seine Frau hatte er betrauert, aber nicht um ſie geweint. Ganz und gar eingenommen von den Geſchäften, hatte er ſeine Nei⸗ gungen auf einen Hauptpunkt concentrirt: auf ehr⸗ liche Weiſe Geld zu gewinnen, ſich zu bereichernz dieß ſollte nach Herrn Giraumonts Neigung der Zwed eines Jeden ſein. Er war kein böſer Mann, er war ganz Grundſatz⸗ eigenſinnig aus Grundſatz und in⸗ tereſſirt aus Syſtem. Wenn ſeine Tochter ihn um⸗ armte, betrachtete er ſie aufmerkſam und ſagte dann: „Dein Kleid hat ſo viel gekoftet, Dein Shawl ſo viel
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