Viertes Kapitel. Die Geſchichte eines jungen Mädchens.
„Ich bin in der Bären⸗Straße geboren, damit ſage ich Ihnen, daß ich von Paris bin, denn ich nehme an, daß es keine zwei Bären⸗Straßen in Europa gibt, doch könnte es ſein. Ich werde auch nicht ſagen, wie es in jenem Trauerſpiel heißt, das ich in der Sänger⸗Straße habe ſpielen ſehen:
Allen edlen Herzen iſt die Heim ath theuer! Denn ich finde meine Heimath, d. h. die Bären⸗ Straße, viel zu ſchmutzig, und wäre lieber in der Friedens⸗Straße geboren, was meinen Sie? Es iſt nirgends verboten, ehrgeizig zu ſein.
„Meine Eltern waren, meine ich, Spielwaaren⸗ händler. Ich ſage: ich meine, denn da ich nie in den Laden kam, ſo weiß ich auch nicht recht, was man dort verkaufte. Meine Mutter, deren einziges Kind ich war, hätte lieber einen Knaben gehabt; während ihrer ganzen Schwangerſchaft hatte ſie ſich geſchmeichelt, einen ſchönen kleinen Amor auf die Welt zu bringen. Ihre Nachbarinnen, die Klatſch⸗ ſchweſtern des Viertels und alle ihre Kunden wurden unaufhörlich um ihre Meinung befragt. Die Einen
ſagten ihr: Sie lieben die grünen Aepfel und die Eſſigurken, ſeitdem Sie ſchwanger ſind: Sie bekom⸗
men einen Buben.“ Die Andern:„Sie haben bleiche Wangen und ein rothes Naſenſpitzchen, Sie dürfen überzeugt ſein, daß Sie einen Knaben zur Velt bringen werden. Jene ſagten ihr mit gelehrter Miene;


