——— ,————
45 Dieſe Unterredung war durch die Thüre hindurch geführt worden, die geſchloſſen blieb. Da die Nach⸗ barin es nicht für nöthig gefunden hatte, zu öffnen, ſo lehnte Timotheus ſich daran und wußte nicht, wie
er ſeinen Wunſch äußern ſollte. Georg, der die Un⸗
terhaltung mit anhörte und bemerkt, daß die Nach⸗ barin Zeit finden würde, in's Bett zu gehen, ehe Timotheus dazu käme, ſeinen Wunſch vorzubringen, kommt nun auch an die Thüre und ſagt mit bewegter Stimme:„Fräulein, wir bitten ſehr um Entſchuldi⸗
gung, daß wir Sie ſo ſpät noch beunruhigen, allein
unſer Kamerad iſt krank.. er leidet und wir haben kein Stückchen Zucker, um es ihm im Waſſer zu geben und ſeinen brennenden Durſt zu löſchen. Um dieſe Zeit ſind alle Kaufleute in dieſem Viertel im Bett, wir hörten Sie ſingen, und deßhalb waren wir ſo frei, an Ihrer Thüre zu klopfen.“
„Sie haben einen Kranken.. mein Gott! das hätten Sie gleich ſagen ſollen; warten Sie, da bin
Und bald geht die Thüre der Nachbarin auf und Fräulein Cölina erſcheint im kurzen Unterröckchen, einer kleinen, farbigen Nachtjacke, die ſie um die Taille feſtgebunden hatte, und einem Madrastuche um den Kopf, worin ihr munteres Geſichtchen noch pikanter ausſah.
„Wos fehlt denn Ihrem Freunde?“ fragt Cölina, ſich an die beiden jungen Leute zugleich wendend;„iſt ihm Etwas zugeſtoßen?.. hat es ihn plötzlich gepackt? Laſſen Sie ſehen. Wo iſt er?.. O, ich kann ſehr


