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den Stuhl ſetzt, der nur drei Füße hat, und ſich im Gleichgewicht zu erhalten ſucht;„wir ſind unfähig zu wie mein Freund ſagt.“
Das junge Mädchen entſchließt ſich, Platzzu nehmen, doch ſetzt ſie ſich nur auf den Rand des Seſſels. Es gibt Menſchen, die glauben, daß ſie auf dieſe Art eher ſich entfernen können.
Georg, der thut, als müſſe es ſo ſein, zieht den Koffer an den Tiſch und ſetzt ſich dann darauf; Ti⸗ motheus dreht und wendet ſich; das junge Mädchen ſieht auf den Boden und ſcheint verlegen; Georg be⸗ müht ſich, die Unterhaltung wieder in Gang zu bringen.
„Wir kennen unſere Nachbarin nur vom Sehen,“ ſagt er,„aber ſie ſcheint ſehr heiter, ſehr angenehm.“
„Wir hören ſie ſingen, wenn ſie ausgeht,“ ſagt Timotheus,„ſie hat eine ſehr hübſche Stimme.“
„O ja, Cöline ſingt ſehr gut; deßhalb hatte ſie auch Luſt, auf das Theater zu gehen, aber ihre Eltern wollten es nicht zugeben.“
„Iſt ſie aus einer adeligen Familie?“ fragt Ti⸗ motheus.
„Ich glaube nicht, mein Herrz ihr Vater han⸗ delte mit Geflügel.“
„Das iſt ein gutes Geſchäft,“ entgegnet Georg ſeufzend,„und ich möchte heute Abend einen Mann kennen, der Geflügel verkauft.“
„Iſt vielleicht das Fräulein Coloriſtin wie unſere Nachbarin?“ fragt Timotheus, mit der Zungenſpitze über ſeine Lippen fahrend.
„Nein, mein Herr, ich bin bei einer Leinwand⸗
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