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„O, ſage mir es, mein lieber Georg, gib mir einen Gedanken es iſt ja Dein Handwerk, Ge⸗ danken zu haben, weil Du Schriftſteller ſein willſt, und mir kommen ſie nur ſelten.“
„Schreibe der Nachbarin eine Erklärung und ſchiebe ſie in ihr Schlüſſelloch.“
„Ich ſoll einem Frauenzimmer eine Liebeserklärung ſchreiben, die ich noch nicht geſprochen. habe und deren Namen ich nicht einmal weiß?“
„Was thut das? Braucht man den Namen eines Frauenzimmers zu wiſſen, um in ſie verliebt zu ſein?“
„O nein! denn ich bin ſchon verliebt; allein ich vin nicht ſo ſtark, eine Erklärung zu ſchreiben. Wenn Du mir ſie ſchreiben wollteſt, Georg?“
„Jetzt nicht; laß mich doch mein Stück beendigen.“
„Ach, ich meine, ich höre Jemand heraufkommen.“
Timotheus kehrt auf den Hausgang zurück; er ſtreckt den Kopf über das Geländer, um auf die Treppe zu ſehen und ſieht den alten Nachbar Jacguillot, der hereinkommt.
„Es iſt um mich geſchehen!“ ruft Timotheus, zu Georg zurückkehrend, aus;„Alles kommt nach Hauſe, nur die Nachbarin nicht!“
„Aber ich meine, Bouchenot komme auch nicht,“ ſagt Georg,„und doch naht der Mittag ſchon.“
„Bouchenot! O, zum Henker! er hat hundert Sous in der Taſche, er wird alſo nicht ſobald nach Hauſe kommen. Wenn er nur auch die verſprochene Paſtete nicht mitzubringen vergißt; was würden wir ohne ſie zu Mittag eſſen?“


