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Es war dieß ein junges Mädchen von zwanzig Jahren, mit brauner Haut und braunen Haaren, leb⸗ haften und ſchelmiſchen Augen, einer geraden und ungezwungenen Haltung; ſie hatte hübſche Zähne und lachte oft, um ſie zu zeigen, um ſo mehr, als man dann noch außer den Zähnen zwei Grübchen ſehen konnte, die ſich in jeder Wange bildeten; kurz, ſie war ein ſehr artiges und herausforderndes Weſen, die, wie Bouchenot geſagt hatte, auf keine Lucretia ſchließen ließ.
Das junge Mädchen lacht laut auf, wie ſie Ti⸗ motheus betrachtet, deſſen Anzug, Geſicht und Haltung mit dem Korbe unter dem Arme auch geeignet war⸗ ein luſtiges Gelächter hervorzurufen. Sie dankt ihm für ſeinen Gruß und eilt die Treppe hinunter.
Mit klopfendem Herzen kommt der junge Mann zu Georg und ruft aus:„Ach, mein Freund! ich bin entzückt! Nie habe ich etwas ſo Köſtliches geſehen.“
„Bah! Du haſt alſo ſchon davon genoſſen, Lecker?“
„Genoſſen? O Gott! ich wollte wohl, ich hätte davon genoſſen. Welch' verführeriſche Augen!“
„Wie! unſere Cotelettes haben Augen?“
„Man ſchwatzt jetzt nicht von unſern Cotelettes,
ich meine unſere Nachbarin, das ſchöne Mädchen
gegenüber, das ich eben auf der Treppe begegnete.“ „Ah, das iſt etwas Anderes! Ich will aber deß⸗
wegen doch den Tiſch decken.“
„Ich habe ſie gegrüßt, ſie hat mir gedankt.“ „Zum Henker! ich denke, das iſt wohl das Wenigſte, was man thun kann.“


