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Da aber der Knabe immerfort weinte, gab man Bouchenot kein Gehör.
„Man muß Etwas aus der Apotheke holen,“ ſagt Madame Monflacon;„man muß dem Kinde Linde⸗ rung verſchaffen. Nach dem, was geſchehen iſt, denke ich durchaus nicht mehr an das Mittageſſen.“
„O! ich eben ſo wenig,“ verſetzt Herr Mon⸗ flacvn, ſich abſichtlich in die Lippen beißend;„ich müßte ein Tiger ſein, wenn ich an's Eſſen dächte, während mein Sohn weint... ich will in die Apo⸗ theke ſchicken.“
„Aber Sie ſehen doch, daß Ihrem Sohne weiter nichts geſchehen iſt,“ nimmt Bouchenot wieder das Wort, der die Dummheit ſeines Hundes gut zu ma⸗ chen wünſcht.„Vorwärts, Schnauzer, komm', bitte den Kleinen um Verzeihung... ſpringe herauf zu dem lieben Stanislaus.“
Damit hebt Bouchenot, mehrmals Schnauzern anblickend, die Hände in die Höhe, um dem Hunde deutlich zu machen, er ſoll das Kind liebkoſen, da er der Ueberzeugung iſt, daß der Unfall mit der Hoſe bald vergeſſen ſein wird, wenn man das Kind zum Lachen bringt. Unglücklicher Weiſe verſteht das Thier die Bewegungen ſeines Herrn falſch: ärgerlich viel⸗ leicht, ſo lange mißhandelt worden zu ſein, von dem Geſchrei und Gejammer vielleicht beſtürzt, und in der Meinung, Bouchenot fordere ihn zur Vertheidi⸗ gung auf, fährt Schnauzer an Madame Monflacon hinauf und ſetzt ſeine Pfoten vorne auf den Ort, den die Ammen ſich nicht ſcheuen, ſehen zu laſſen, den


