Teil eines Werkes 
1. Th. (1845)
Entstehung
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wie er aber hinaustreten will, bleibt er ſtehen und murmelt:Ach, der Kukuk! ich glaube, ich höre Frauenzimmer auf der Stiege; ich laſſe mich nicht mit dieſer Jacke vor ihnen ſehen... die Herren ge⸗ niren ſich freilich nicht, ſie ziehen Blouſen an und ich muß zufrieden ſein mit dem, was übrig bleibt... ich glaube, es iſt die Kleine, die ſeit einiger Zeit gegenüber von uns wohnt; wißt ihr, daß die junge Nachbarin gar nicht übel iſt?

Sie iſt wirklich recht hübſch, erwiedert Georg, ſie hat ein lebhaftes, pikantes Geſichtchen...

Pflückt die Roſ' und Myhrte!

Das heißt, ſie iſt zum Entzücken ſchön, ſie iſt reizend! O Gott! ſie iſt ein kleiner Edelſtein, ver⸗ ſetzt Timotheus, ſich im Bette umkehrend;ich habe ſie zwar noch nicht recht geſehen, aber eines Abends, als ſie nach Hauſe ging, ſah ich ihre Naſenſpitze und dieß genügte mir; das Uebrige konnte ich mir einbilden.

Ah! Du kannſt Dir die Schönheit einer Perſon einbilden, wenn Du nur ihre Naſenſpitze geſehen haſt? Wenn die Frauenzimmer auch Deiner Anſicht wären, ſo könnte ich meinen Eroberungen gar nicht genügen; ich mache ohnehin genug.

Aber ich weiß nicht, was die kleine Nachbarin gegenüber hat, fährt Timotheus fort,ich habe mehrere Male verſucht, ſie auf dem Hausgang zu begegnen; zu dieſem Zwecke horchte ich an der Thüre und als ich ſie die ihrige aufmachen hörte, machte

ich auch ſchnell die meinige auf, um ſie zu grüßen