Teil eines Werkes 
1. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
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Louis, dem es nicht wenig luſtig ſchien, vor den Angen einer lauſchenden Eiferfuͤchtigen ſeine, ihm gar nicht ſchwer werdende Rolle recht natuͤr⸗ lich zu ſpielen, leitete das Geſpräch mit Haͤnde⸗

druͤcken und Umarmungen ein, nannte Jettchen

einmahl uͤber das andere ſeine Einzige, ſeine Göͤttliche, haͤuchelte dann Zweifel un ihrer gleich zärtlichen Liebe, und verlangte zuletzt mit ſchein⸗ barer Schwäͤrmerey eine Probe ihrer Trene. Das Maͤdchen meinte naiv genug, daß ihr nichts mehr zu geben ubrig ſey, da er laͤngſt ihr Herz beſitze, erboth ſich jedoch zu jeder Pruͤfung. Jetzt ruͤckte der

Fähnrich ſeiner Abſicht naͤher. Es ſey, meinte er,

freylich nur eine Kleinigkeit, was er fordere, es werde fuͤr ihn keinen Werth haben, als den, es aus den Haͤnden treuer Liebe zu empfangen; mit einem Worte, es ſey eine in blauen Umſchlag eingeſiegelte Schrift, die ihr, wie ſie wiſſe, oft⸗ wunderlich eigenſinniger Vater in. Verwahrung habe, die bloß ihn und ſeinen Bruder angebhr, und, wie Letzterer bey Gelegenheit einer geſuch⸗ ten Forſtrechnung einmahl bemerkt habe, in des Dberforſters Schranke, und zwar im oberſten Fache rechter Hand, unter andern Papieren liege. Bey Jetichen regte ſich bey dieſem Antrage, ihrer Verdorbenheit ungeachtet, doch einiger Ma⸗ ten das Gewiſſen. Allein der geſchmeidige Lonis wußte ihr ſehr bald alle Zweifel anszureden,