Teil eines Werkes 
3. Bdchn (1831)
Entstehung
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hinauf; aber ihr Buſen iſt kalt, und hat keine Antwort für unſer Gefühl! Die Fürſtin ſchwieg. Ich ſah zur Erde, o Richardis, mich hatte dies Gleichniß tief erſchüttert. Wenn ſein Buſen kalt wäre, wenn es nur Mitleid iſt, was er für mich empfindet? Ich durchlief die Ver⸗ gangenheit, vieles ſprach dafür, doch auch ſo vie⸗ les dagegen.Nein, v meine Fürſtin! rief ich, mich emporrichtend:ſein Herz iſt nicht gefühllos, nur allzu ſtreng von ſeinem Willen beherrſcht. Und dieſe ſeine moraliſche Gewalt, die unbeſtech⸗ lich über ſeine Empfindungen herrſcht, war es ja eben, die mich anzog, die ihm meine Seele un⸗ terwarf! Die Fürſtin ging einigemal im Zim⸗ mer auf und nieder.Des Superintendenten Dienſteifer iſt mir bekannt, ſprach ſie vor ſich hin:man könnte ſeinen Wirkungskreis erwei⸗ tern. Geiſtreiche Männer ſind überall auf ihrem Platz! Sie that hierauf noch mehrere Fra⸗ gen an mich, und entließ mich dann, indem ſie mir ihre Hand freundlich zum Kuſſe reichte, und mir einige recht tröſtende Worte ſagte.

Als ich zu Hauſe war, und mir noch ein⸗ mal jedes ihrer Worte zurückrief, war es mir, als käme mir vieles ſo recht ſeltſam und räthſel⸗

haft vor. Die Fürſtin kannte den Superintenden⸗

ten, das war klar, ſie mußte ſogar recht genau