Teil eines Werkes 
3. Bdchn (1831)
Entstehung
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Hundertzehnter Brief.

Angela, Comteſſe Domelli, an Richardis.

Aus der Reſidenz, im Mai 18**.

Ich habe ihm Freude gemacht, liebe Richardis! Er hat, wie er ſagt, mit Stolz den Vorzug em⸗ pfunden, den ich ihm durch die Mittheilung meiner Gedanken vor Allen gegeben habe! Aber er hat auch Vieles geſagt, was mich ſchmerzt! Ach, fühlte er wie ich, er würde mich nicht empfinden laſſen, daß ich ihm hier und da zu ſehr meine Dankbarkeit, meine Verehrung ausgeſprochen habe. Ach, kann man noch wägen und berechnen, wenn man liebt? Kann man dann noch über⸗ legen, wie viel man geben oder annehmen kann, muß ſich nicht vielmehr jeder Stolz gefangen ge⸗ ben, und ſelbſt die Beſcheidenheit fürchten, die Liebe durch ihr ſtrenges Zurücktreten zu betrüben?