Teil eines Werkes 
3. Bdchn (1831)
Entstehung
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nach und nach mir die Wahrheit meiner Anſichten einzuräumen, was mir große Freude macht. Er will mich bisweilen überreden, meine Denkungsart habe einigen Einfluß auf die ſeine; aber dies iſt wohl nur eine feine Schmeichelei. Er hat, das weiß ich, längſt ſo gedacht, und ſich ſelten gezeigt, wie er war, weil er in dieſer Verkappung die Menſchen zu ſtudiren gedenkt. Er kömmt jetzt öfterer als ſonſt in das Haus der Barvneſſe, und verräth im Lauf ſeiner lebhaften Unterhaltung manche gute Seite, die ich früher überſehen hatte. Wie vorſichtig, liebe Richardis, müſſen wir in unſeren Urtheilen ſein, wie genau den Schein prüfen, hinter dem ſich das wahre Weſen des Menſchen verbirgt, damit wir Andern nicht Unrecht thun! Ich habe dem Grafen viel abzubitten, das weiß ich, aber er kam mir auch oft ſo ſehr gehäſ⸗ ſig und widerwärtig vor! So eben bringt mir Graf Ordeck einen Brief von Norden; wie ſieht er ſo freundlich, ſo theilnehmend aus, der gütige Mann! Ich ſchließe erſt morgen den Brief, um Ihnen zu ſagen, was er ſchreibt. Jetzt ein herz⸗ liches Lebewohl von Ihrer glücklichen Angela.