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Mein brüderlicher und gütiger Freund iſt ſtets derſelbe gegen mich. Ich ſehe ihn öfterer bei der Fürſtin, als in unſerm Hauſe. Er vermeidet aus Zartgefühl jedes abſichtliche Andrängen, ſo vft er mir gleich verſichert, daß er ſein Leben in der Re⸗ ſidenz nur nach den Stunden unſeres Beiſammen⸗ ſeins berechne. O, wären doch alle Charaktere ſo klar, ſo rein zu durchblicken, als der ſeine! Aber leider iſt dies ſo ſelten der Fall.— Wir ſind ge⸗ zwungen, die Menſchen bald zu hoch, bald zu nie⸗ drig zu ſtellen, weil ſie ſelten das ſind, was ſie ſcheinen, und ſich ſogar bisweilen in recht häßlichen widerwärtigen Masken gefallen, um die Menſchen zu ſchrecken und auszuforſchen. Dies war, wie ich jetzt weiß, auch bei dem Grafen Malvi der Fall. Er ſuchte etwas darin, ſich viel ſchlimmer zu zei⸗ gen, als er wirklich iſt, und amüſirt ſich höchlich, wenn er die Menſchen um ſich her in Angſt und Verlegenheit ſetzt. Ich lerne ihn jetzt beſſer ken⸗ nen, und bin ſehr zufrieden mit mir, daß ich früher, als er mit ſeiner furchtbaren Zweifelſucht und ſeinen zweideutigen Grundſätzen prahlte, mich nicht einen Schritt breit von meiner Meinung abbringen ließ, und ſo ſeine Achtung gewann. Er iſt nicht der böſe Mann, der er ſcheint; er hat ſich einigemal verrathen, daß er nur Comödie ſpielt, um das Beſſere im Menſchen zu erforſchen, und fängt an,
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