Hundertachter Brief.
Angela, Comteſſe Domelli, an Richardis.
Aus der Reſidenz, im Mai 18**
Noch habe ich keinen Brief von Norden!— Aber, er kann ja auch kaum die Gedichte durchle⸗ ſen haben, er wird mir nicht eher ſchreiben wollen, bis er mir alles beantworten kann.— Finden Sie dies nicht natürlich, liebe Richardis?— Was ma⸗ che ich kindiſches Geſchöpf mir darüber doch Gril⸗ len? Noch ſind es kaum vierzehn Tage, daß ich ſchrieb, und, o, Sie wiſſen nicht, wie er mit Ge⸗ ſchäften überhäuft iſt, wie er ein ſo zärtlicher Va⸗ ter für ſein Kind iſt, und ſich ſo fleißig mit ihm beſchäftiget, trotz der Demdviſelle Wallburg!— Ach, liebe Richardis, wie kommt es denn, daß mir ſo beklommen wird, ſo oft ich an die Wallburg denke!— Ich war ihr ja ſo gut, wie könnte ich denn ſie um ein Glück beneiden, das mir ja nie


