gelten zu laſſen, daß die Natur unſere Reigungen ſo ungleich und daher unſer Glück ſo unvereinbar gebildet hatte. Am Morgen fühlte ich mich ſicht⸗ lich geſtärkt, ich wurde von der Baroneſſe mit ih⸗ rer gewöhnlichen Güte empfangen, und fügte mich, ſo gut ich konnte, in die vorigen Formen und Ta⸗ gesbeſchäftigungen. Ich begleitete ſie, da gerade die Oſterwoche traf, zu den großen Oratvrien, die in den Kirchen aufgeführt wurden, und empfand meinen Geiſt durch die Wunderkraft der heiligen Muſik ſichtlich geſtärkt und erhoben, und in meine Seele die Ruhe frommer Ergebung zurückkehren. Der Charfreitag⸗Gottesdienſt erinnerte mich an den Tag meiner Confirmation. Wie viel lag zwi⸗ ſchen damals und heute! Wie lang iſt ein Jahr, wie reich kann es an Erfahrungen für uns ſein, wenn wir ſeine Winke beherzigen. Die Lilie, die ich damals von Norden erhielt, und die mich, wie ſein Gedicht, allenthalben hinbegleitet, hat dies Frühjahr zu meiner Freude wieder eine Blüthe ge⸗ trieben. Ich berauſche mich an ihrem entzückenden Duft; mir iſt, als ſchlöſſe mir dieſer ein fremdes, unbekanntes Land auf, deſſen Bild, ohne daß ich es durch Worte wiederzugeben vermag, wie ein ſchneller Blitz durch meine Seele fährt, ohne eine deutlichere Spur, als eine recht himmliſche Freu⸗ digkeit zurückzulaſſen. So führt jeder Tag eine
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


