— 41—
Comteſſe! räumen Sie dem äußern Gepränge, ſo mächtig es Ihre Seele ergreift, keine zu große Gewalt über dieſelbe ein!— Man vermag, durch dieſes verwöhnt, ſpäter kaum zu unterſcheiden, ob die Bewegung unſers Gemüthes der geiſtigen oder der Sinnenwelt angehörte. Sie bedürfen nicht fremder Schwingen, um zu der Heimath des Glan⸗ bens emporzuſteigen! Ihr kindliches Herz fand det Weg zu Gott in frommer einfacher Stille. Se⸗ hen Sie ſich nach keiner neuen Führerin um, blei⸗ ben Sie Ihrer erſten Gottesverehrung getreu!
Auch ich, Cymteſſe, war einſt von gleichem Irrthum befangen; ich glaubte das, was ich ſchon ergriffen, ſei nicht hinlänglich, das religiöſe Gefühl zu wecken und zu beleben; ich gab mich dem Stu⸗ dium der Muſik hin, um auch auf dieſe Art auf die Gemüther der Menſchen zu wirken, vermeinend Kunſt und Religivn würden ſie durch einen ſo ſchweſterlichen Verein gegenſeitig ſtärken und näh⸗ ren, und mir einen neuen Einfluß auf meine Um⸗ gebungen geſtatten.
So lang ich dies Talent zu meiner Erhe⸗ bung ausbildete, war Gott in mir, in ſichtlicher Liebe, Kraft und Freudigkeit.— Ganz anders war es aber, als ich den Strahl, der meinen Buſen durch's ganze Leben erwärmen konnte, frei gab, und meine Tonſchätze aus ihrer Verborgenheit zog.


